
Manchmal begegnet uns ein inneres Kind
Und vielleicht liegt es nicht an dir, sondern in mir. Vielleicht liegt es daran, dass mein Blick so sehr nach außen geht, während sich in mir die Leere hebt. Während das Außen immer mehr Fülle trägt, ist es doch mein Herz, dass nur noch leblos bebt.
Vielleicht bist du nicht schuld, sondern mir fehlt die Geduld. Und während sich meine Wut auf dich legt, ist es meine eigene Sonne, die langsam in meinem Herzen untergeht.
Wenn ich sage, wegen dir!
Mir geht es schlecht, wegen dir. Spüre ich nicht, dass ich mich selbst verliere. Wieder und wieder, dabei sehe ich dich nie, nur das Spiegelbild von mir. Mein Spiegelbild, aber ich will es nicht wahrnehmen. Lieber protestiere ich „Du machst, dass ich mich so fühle“ & das ist einfacher darüber zu legen. Einfacher zu sagen, Du bist das Problem, um mich im selben Atemzug aus meiner Verantwortung zu nehmen. Um nicht nach innen schauen zu müssen - mir meinen Schmerz zu gestehen und mich selbst einmal in den Arm zu nehmen. Ja nicht nur in den Arm nehmen, ich müsste eigentlich schon längst meinen Weg nachhause antreten. In mein Herz und alles was ich als Kind erlebt habe, vielleicht sind da doch alte Rucksäcke, die ich durch mein ganzes Leben trage.
Vielleicht war ich als Kind zu oft allein, in einem viel zu großen Haus, unendliche Spielsachen, aber niemand war daheim. Ich denke, hier darf ich hinein. In das Erlebte zurück, auch wenn mich Trauer, Schmerz und Wut verfolgt und ein Gefühl von, ich war nicht gewollt. Ich war nicht gewollt denkt sich das kleine Kind in mir, dabei konnte es doch nichts dafür. Nichts für Mama und Papa, die ihre Stimme nie hörten, zu sehr beschäftigt mit Dingen, die sie störten. Mama und Papa, die nicht auf mich aufgepasst haben, als ich anfing meine Bedürfnisse zu begraben. Mama und Papa, mit denen ich meine Erfolge teilen wollte, doch ich sah nur wie Blicke über Handy Displays scrollten. Mama und Papa, ich hätte eure warme Liebe gebraucht, einfach so ohne Grund, doch alles was mich umhüllte war Zigarettenrauch.
Jetzt stehe ich hier, vor meinem inneren Kind. Bist du es, das mich immer übernimmt? Meine Verantwortung in Situationen hält und sich gegen meinen Gegenüber stellt. Nicht, dass ich wieder alleine ende, ich spüre deine kleinen Hände. Kleine Hände auf meinen Lippen, während du für mich einstehst „Du bist Schuld!“ – jetzt erkenne ich dich, es war auch nie meine fehlende Geduld. Es war immer mein inneres Kind, aufmerksam, aufgesprungen und aufgeregt. Nie wieder möchte es, dass es mir so wie damals geht. „Niemals möchte ich, dass du wieder etwas für mich trägst.“, sage ich zu ihr, während ich ihr Kinn in meine Hände lege und ihren kleinen Körper in meine Arme hebe. Sie fest an mich schmiege und ihr zart ins Ohr flüstere, wie sehr ich sie liebe.
Salzige Tropfen, sind alles was ich jetzt fühle. Wie sie über meine Wangen fließen, eine Welle an Gefühlen, die mich übergießen.
Fast so, als würden sich meine Wurzeln wieder ausstrecken und ich meine liebevollen Antennen entdecken. Meine jüngere Version nah an mein Herz drücken und den Fluss von Tränen überbrücken. Während sich zeitgleich eine unermessliche Liebe ausdehnt, für mich selbst und mein inneres Kind, welches sich so sehr danach sehnt. Danach sehnt, gesehen und gehört zu werden, wissend es muss sich nicht mehr verbergen. Sehnsucht nach Geborgenheit, jemand, mit dem Duft von Sicher-sein.
Ich darf mein Herz öffnen und es einladen wieder ein Teil von mir zu werden – eins von Vielen. Eine Einladung zum Kind sein, zum Quatsch machen, hundert Stunden in der Hängematte liegen oder Ewigkeiten im Sand zu spielen.
Nach Ewigkeiten wieder bei mir sein und ich versichere dir, ich lasse dich herein.
Ich versichere mir, ich lasse mich nicht mehr allein.
Ich verspreche dir, Mama und Papa habe immer ihr Bestes gegeben, tiefer und intensiveres Leben durften sie beide doch selbst nie erleben. Mama und Papa haben so gut gemacht, wie sie konnten, besser ging nicht. Doch ihre Liebe, schickten sie dennoch immer an dich.
Ich glaube, ihre zarte Liebe darf jetzt in mir weiter beben. Wie schön ist es den Sonnenaufgang, in meinem Herzen wieder zu erleben. Wieder zu erleben wie nährend es ist, mit mir selbst zu verweilen und meine Wärme mit meinem Außen zu teilen. Mein
Außen, als das was es ist zu benennen, endlich meinen Gegenüber mit einem liebevollen Blick zu erkennen. Zu erkennen, dass ich all die Zeit nur mich in dir sah und mein inneres Kind verzweifelt um Aufmerksamkeit bat. Mein inneres Kind, welches jetzt für immer Kind sein darf, lachend, laut und lebendig – einfach alles was es sein mag.
Und vielleicht liegt es nicht an dir, sondern in mir. Vielleicht liegt es daran, dass mein Blick so sehr nach innen geht, während sich in mir die Liebe hebt. Während mein Inneres immer mehr Fülle trägt, ist es doch mein Herz, dass in Leidenschaft und Bewegung schlägt.